Lianes Gardasee-Reisen

 

 

 

Tauchen am Gardasee
 

Es war schon ein ziemlich komisches Gefühl als ich im April 2000 zum ersten mal an den Gardasee zum tauchen gefahren bin. Bisher hatte dieses Ziel für mich nämlich nicht den geringsten Reiz.
Immerhin hatten meine Eltern schon vor 35 Jahren dort einige Urlaube verbracht und irgendwie war der Gardasee für mich der Inbegriff des piefigen deutschen Urlaubsziels und Synonym für Touri-Nepp und Abzocke.

Inzwischen bin ich konvertiert und bekenne mich öffentlich zu meiner neuen Liebe. Obacht also, Überlänge ist bei dieser Meinung vorprogrammiert.

Seit diesem denkwürdigen April im Jahre 2000 war ich nun schon zum fünften Mal am Gardasee und meine Begeisterung wächst jedes mal weiter.

In meinen Augen ist der Gardasee die absolute Referenz in der Kategorie Süßwasser.
Für alle Erfahrungsstufen vom Anfänger bis zu den Tiefenjägern in schwarz ist hier etwas geboten. Der nördliche Teil des Gardasees ist nämlich ziemlich tief. Laut meinem Kartenmaterial bis zu –360m.

Zunächst einmal ein paar allgemeine Infos. Besonders reizvoll ist der See im Frühjahr und im Herbst. Im Sommer ist die Sicht durch die Algenblüte doch stark eingeschränkt.
Im Regelfall überzeugt der Gardasee durch eine ganz passable Sicht von 10m und mehr. Bei starkem Wind und Strömung sinkt diese aber auch mal unter 5m. Warm wird das Wasser auch im Sommer natürlich nur im flachen Bereich. Ab –10m wird es dann doch ziemlich schnell kühl, ein Trocki ist also wieder mal von Vorteil. Von Tieftauchgängen ohne Lampe rate ich dringend ab.

Die Gesetzgebung ist in Italien von Region zu Region stark unterschiedlich. Während man sich am Nordufer noch im Trient befindet wechselt man kurz vor Malcesine ins Veneto und damit verändern sich auch die Bestimmungen für den Taucher.
Generell muß in Italien eine Boje mit Taucherflagge mitgeführt werden. Zusätzlich zu dieser Boje muß im Veneto jeder Tauchgang vom Boot durchgeführt werden, selbst wenn er von Land aus möglich wäre. Quintessenz des ganzen, ab Malcesine muß beim Tauchen immer ein Boot mit im Wasser sein und eine Person muß in diesem Boot sitzen. Tauchkollegen haben mir berichtet, dass die Carabinieri hier gerne bis zu 200,- € als Strafe abkassieren.
An den Tauchbasen in Malcesine und Assenza liegt eigentlich immer ein Boot, mit dem man diese Bedingungen erfüllen kann. Ansonsten tut es allemal ein Schlauchboot. An den Tauchbasen und in Riva sind zusätzlich stationäre Bojen mit Flagge vorhanden, das lästige Mitschleifen einer eigenen Boje entfällt also.

Nachdem nun also die Preliminarien geklärt sind, hier meine Eindrücke zu den Tauchbasen, mit denen ich am Gardasee bisher zu tun hatte.

Deam-Pub / Malcesine Val di Sogno

Der Dream-Pub ist so ziemlich die bekannteste Tauchbasis am Gardasee.
Franco und seine Mitarbeiter sprechen sehr gut Deutsch und sind immer bemüht auch Sonderwünsche möglich zu machen.
Direkt vor der Basis gibt es einen Tauchplatz der zum Eingewöhnen ganz gut geeignet ist, mehr dazu aber später.
Franco füllt ausschließlich Druckluft, Flaschenverleih ist möglich. Direkt an die Basis angeschlossen ist wie der Name schon sagt ein Pub. Hier lädt eine super gemütliche Terasse zum Dekobierchen und die Spaghetti al arabiata von Francos Mutter richten einen auch nach den anstrengensten Tauchgängen locker wieder auf.

Athos Diving / Assenza

Aus meiner Sicht die bessere Wahl, Stefano und seine Mitarbeiter sprechen ebenfalls hervorragend Deutsch.
Neben der üblichen Druckluft bekommt man hier aber auch Nitrox in allen gängigen Konzentrationen, und die Tauchgründe in der direkten Umgebung geben deutlich mehr her als beim Dream-Pub.
Ein geführter Tauchgang mit Stefano sei dabei jedem wärmstens empfohlen. Stefano hat in seinem Fundus insgesamt vier Vollgesichtsmasken von Ocean-Reef, zwei davon mit Sprechfunk, die anderen beiden mit Lautsprecher und einige Lautsprecher für normale Masken. Es ist wirklich ein einmaliges Erlebnis mit Stefano die Tauchgründe vor seiner Basis zu erkunden und dabei immer noch die Geschichte des Tauchplatzes erzählt zu bekommen.
Zu dieser Basis gehört ebenso ein Restaurant. Neben den sehr empfehlenswerten Nudelgerichten sind hier auch die Pizza und die Fischgerichte sehr gut.
Stefanos Frau betreibt direkt an der Basis auch noch eine einfache aber trotzdem empfehlenswerte Pension. Damit kann man dann morgens quasi direkt aus dem Bett in den See fallen. ;o)
Weitere Infos zu Stefanos Basis gibt es unter http://www.athos-diving.com.

Plant man mit Leihflaschen zu tauchen, sollte man sicherheitshalber bei beiden Basen einen Bügeladapter dabeihaben.

Nun aber endlich zu den Tauchplätzen.

Riva del Garda
Direkt im alten Yachthafen von Riva liegt dieser Tauchplatz einer lokalen Tauchschule.
Eine stationäre Taucherflagge ist vorhanden. Nachdem man auf dem Parkplatz des Hafens angerödelt hat folgt ein kurzer Fußmarsch (ca. 200m) an das Ufer des Sees.
Hier gelangt man über 5 Steinstufen auf ein kleines Felsplateau. Obacht, durch die Algen sind diese Steine ziemlich rutschig. Am Ende des Plateaus kann man sich einfach rückwärts in den See fallen lassen.
Der Tauchplatz selber ist, für Italien typisch, komplett verleint. Zu sehen gibt es eine ca. 5m hohe Christusstatue in –15m und eine Steilwand, die laut den Tauchplatzkarten auf bis zu –90m abfällt.
Diesen Tauchplatz sollte man vormittags betauchen, da ab ca. 12:00 Uhr eine steife Brise aus dem Süden weht. Durch die entstehenden Wellen kommt man dann unter Umständen fast nicht mehr aus dem Wasser.

Malcesine / Isola di Uliva
Die Oliveninsel ist nur vom Boot aus zu betauchen. Hier gibt es eine geniale Steilwand mit Grotte und ein Wrack, an dem war ich selber aber noch nicht.

Malcesine / Val di Sogno
Im Hafen von Val di Sogno liegt das Wrack der Roma in einer Tiefe zwischen –32m und –40m.
Die Roma ist ein etwa 9m langes Kajütboot und noch ziemlich gut erhalten. Die Sicht an der Roma ist normalerweise hervorragend. Der Tauchplatz läßt sich sowohl vom Boot als auch von Land aus betauchen.

Malcesine / Dream-Pub
Direkt vor der Basis gibt es auf –5m eine Plattform für die Ausbildung.
Hält man sich an dieser Plattform südlich so findet man auf –18m das Wrack der Titanic, ein altes Ruderboot. Ansonsten gibt es hier im –5m-Bereich sehr schönen Bewuchs. Bei Nachttauchgängen sieht man hier einiges an Hechten.

Assenza / Athos-Diving
Stefanos „Hausriff“ bietet einiges mehr. Neben der obligatorischen Plattform auf –6m liegt ein alter Olivenmühlstein auf –10m, eine Madonnastatue auf –15m ein Tarierungstunnel auf –12m ein Fiat 500 auf –18m und eine Krippe auf –30m.
Der Tauchplatz ist mal wieder komplett verleint.
Hält man sich hier leicht nördlich, findet man noch einiges an alter Munition.

Assenza / Isola di Trimellone
Diese Insel liegt direkt vor der Tauchbasis Athos-Diving.
Hier gibt es ein kleines Felsplateau mitten im See, dass in eine geniale Steilwand übergeht. Diese Steilwand hat eine Stufe auf –26m, geht man über diese Stufe hinweg, wird es bodenlos.
An der Insel selbst gibt es auch noch ein Wrack und jede Menge alte Munition. Die Italiener haben diese Insel benutzt um Kampfmittel zu entschärfen bis ihnen 1961 einer der Bunker um die Ohren geflogen ist.

Torri del Benaco
Direkt an der Uferpromenade gibt es hier eine der beeindruckensten Steilwände im See.
Nachdem man durch diverse Canyons durchgetaucht ist, kann man sich auf ca. –30m versenken, wobei in einer kleinen Grotte auf –26m eine Krippe mit knapp 30 Figuren zu finden ist.
Da hier häufiger ziemlich starke Strömung ist, sollte jeder Taucher zuächst eine kurze Lagebeurteilung vornehmen und dann entscheiden ob er sich in der Lage fühlt diesen Tauchgang zu machen. Das gilt natürlich überall, an dieser Stelle sei aber besonders darauf hingewiesen.

So, weiter in den Süden bin ich bisher leider noch nicht vorgestoßen. Aber mit den oben genannten Tauchplätzen sollte es eigentlich jedem gelingen mindestens zwei verlängerte Wochenenden ohne Langeweile durchzustehen.

Der Gardasee hält auch an Land etliche Attraktionen bereit. Dies ist natürlich für nichttauchende Partner besonders interessant.
Unsere Gardaseetouren standen bisher immer unter dem Motto „Tauchen und Schlemmen am Gardasee“ und dieses Motto konnten wir immer sehr gut ausleben.
In den meisten Städtchen finden sich etwas abseits der Touristenrouten hervorragende Restaurants die typisch italienische Spezialitäten (damit meine ich jetzt nicht Pizza und Pasta) zu einem fantastischen Preis- / Leistungsverhältnis anbieten. Eventuell finde ich ja mal die Zeit diesen Aspekt im Reiseforum zu beleuchten.

Fazit dieser Meinung, der Gardasee ist ein absolut geniales Tauchgebiet und zumindest für die Süddeutschen unter uns in nur wenigen Stunden zu erreichen.
Probiert es doch selbst einmal aus.

geschrieben von: Martin Pauli

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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